Escape Game: Ohmscher Tresor
| Autoren: | Jan Rottländer, Jan Scharmann |
| Betreuer: | Prof. Schneider |
Einleitung
Tief im Untergeschoss des alten HSHL-Laborgebäudes hat ein massiver Stromausfall das Sicherheitssystem lahmgelegt. Die elektronischen Stahltüren sind verriegelt, und die Luft wird langsam knapp. Der einzige Ausweg führt über eine Erfindung des paranoiden Chefingenieurs: Ein kompakter, schwerer Kasten, der unter den Mitarbeitern nur ehrfürchtig der „Ohmsche Tresor“ genannt wird.
In diesem Tresor liegt der physische Schlüssel für die Notentriegelung der Labortüren. Doch der Ingenieur traute keinen normalen Zahlenschlössern. Um den Tresor zu öffnen, muss ein präziser Stromkreis geschlossen werden. Auf dem flackernden LCD-Display des Tresors leuchtet lediglich eine letzte, kryptische Systemmeldung: „SPANNUNG: 5 V – ZIEL-STROM: 20 mA“.
Neben dem Tresor liegen mehrere seltsame, farbig markierte Bausteine und das hastig zurückgelassene Laborlogbuch des Ingenieurs. Eure Aufgabe ist klar: Ihr müsst die Gesetze der Elektrotechnik anwenden, um das System auszutricksen. Entschlüsselt mithilfe der Logbuch-Notizen die verborgenen Werte der bunten Bausteine, berechnet den exakt benötigten Widerstand und steckt die richtige Kombination in den Tresor. Nur wenn der Ohmsche Tresor die perfekten elektrischen Bedingungen misst, gibt er euer Ticket in die Freiheit preis.
- Woraus besteht das Rätsel? Das Rätsel "Ohmscher Tresor" besteht aus einer kompakten Box mit einem LCD-Display und mehreren Steckplätzen. Die Spieler finden mehrere farblich markierte (Rot, Blau, Grün, ...), 3D-gedruckte "Widerstands-Bausteine" sowie ein fiktives Labor-Logbuch. Aus dem Logbuch müssen sie durch logische Deduktion die tatsächlichen Widerstandswerte der farbigen Steine herleiten. Auf dem Display wird die Lösung einer elektrischen Schaltung gefordert (z.B. „SPANNUNG: 5 V – ZIEL-STROM: 20 mA“). Durch das Einstecken der richtigen Steine in eine Schaltung auf der Box muss dieser Wert erreicht werden. Stimmt der Messwert, entriegelt ein Servomotor das Geheimfach mit dem Escape-Code.
- Bezug zum Studium? Dieses Projekt vereint Grundlagen der angewandten Elektrotechnik (Ohmsches Gesetz, Kirchhoffsche Gesetze, Spannungsteiler) mit der Mikrocontrollerprogrammierung in Simulink (Digitale Signalverarbeitung) sowie der mechatronischen Aktorik (Servomotor) und Sensorik (Analog-Digital-Wandlung).
Lernziel: Praktische Anwendung des Ohmschen Gesetzes sowie die Berechnung von Reihen- und Parallelschaltungen von Widerständen unter Zeitdruck.
Schwierigkeitsgrad: Einsteiger / Fortgeschrittene
Anforderungen
| ID | Inhalt | Prio | Ersteller | Datum | Geprüft von | Datum |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Das System muss in eines der Fächer des vorhandenen Escape-Game-Mobil passen. | 1 | Jan Rottländer | 29.09.2026 | ||
| 2 | Das Rätsel muss innerhalb einer Zeitspanne von 2 bis 5 Minuten lösbar sein. | 1 | Jan Scharmann | 29.09.2026 | ||
| 3 | Das System muss den von den Spielern eingesteckten Gesamtwiderstand der Schaltung messen können. | 1 | Jan Scharmann | 29.09.2026 | ||
| 4 | Die Steuerung und Messung des Rätsels sowie die Ansteuerung der Aktoren muss über einen Microkontroller geschehen. | 1 | Jan Rottländer | 29.09.2026 | ||
| 5 | Das System muss die Ziel-Aufgabe und visuelles Feedback anzeigen. | 1 | Jan Rottländer | 29.09.2026 | ||
| 6 | Das System muss bei Erreichen des Zielwiderstands (inklusive einer Toleranz von ±1%) das Tresorfach entriegeln. | 1 | Jan Scharmann | 29.09.2026 | ||
| 7 | Die elektronischen Komponenten müssen kompakt und sicher im Inneren einer Box verbaut sein, um mobil zu sein. | 1 | Jan Scharmann | 29.09.2026 | ||
| 8 | Die Box kann einen Deckel mit einem Mechanismus zum öffnen besitzen. | 1 | Jan Rottländer | 29.09.2026 | ||
| 9 | Die steckbaren Widerstände müssen über ein robustes und gut handhabbares Gehäuse verfügen. | 1 | Jan Scharmann | 29.09.2026 | ||
| 10 | Die Spannungsversorgung des Rätsels muss über einen Schalter ein- und ausgeschaltet werden können. | 1 | Jan Rottländer | 29.09.2026 | ||
| 11 | Die Spannungsversorgung des Rätsels muss über ein geeignetes Netzteil erfolgen. | 1 | Jan Rottländer | 29.09.2026 | ||
| 12 | Die steckbaren Widerstände sollen bei Nichtbenutzung sicher innerhalb der Box verstaut werden können. | 2 | Jan Scharmann | 29.09.2026 |
Funktionaler Systementwurf

Ein funktionaler Systementwurf beschreibt, was ein technisches System leisten soll und welche funktionalen Teilsysteme dafür benötigt werden, ohne bereits festzulegen, wie diese Funktionen technisch konkret umgesetzt werden. Er beantwortet die Frage, welche logischen und physikalischen Schritte das System ausführen muss, um die Anforderungen des "Ohmschen Tresors" zu erfüllen.
Die Kernfunktion des Systems besteht darin, eine von den Spielern physisch vorgenommene Verschaltung von elektrischen Widerständen auszuwerten und bei Korrektheit einen Verriegelungsmechanismus freizugeben. Die Gesamtfunktion lässt sich nach dem klassischen EVA-Prinzip (Eingabe, Verarbeitung, Ausgabe) in folgende funktionale Teilsysteme gliedern:
1. Eingabe (Signalerfassung)
- Erfassung der physikalischen Eingangsgröße: Das System muss die durch die Spieler gesteckte elektrische Schaltung aus Widerständen in den eigenen Messkreis integrieren.
- Signalwandlung: Der physikalische Gesamtwiderstand der gesteckten Bauteile muss in ein elektrisches Analogsignal umgewandelt werden, das von einer Steuereinheit eingelesen werden kann.
2. Verarbeitung (Signalverarbeitung & Logik)
- Analog-Digital-Wandlung: Das analoge Spannungssignal muss zur weiteren Verarbeitung in einen digitalen Wert diskretisiert werden.
- Berechnung & Auswertung: Das System muss den digitalen Messwert in den tatsächlichen ohmschen Widerstand umrechnen. Dieser Ist-Wert wird anschließend mit einem vordefinierten Soll-Wert verglichen.
- Zustandssteuerung: Eine logische Steuerungseinheit überwacht die zeitliche Stabilität. Nur wenn der Ist-Wert für eine definierte Zeitspanne ununterbrochen innerhalb eines Toleranzbandes um den Soll-Wert liegt, wird das Signal zur Entriegelung freigegeben.
3. Ausgabe (Aktorik & Feedback)
- Visuelle Informationsausgabe: Das System muss den Spielern visuelle Informationen bereitstellen. In der Rätselphase sind dies die Aufgabenparameter (Systemspannung und Ziel-Strom), nach erfolgreicher Lösung ist dies der vierstellige Escape-Code.
- Mechanische Entriegelung: Das digitale Freigabesignal der Verarbeitungseinheit muss in eine physische Bewegung umgesetzt werden, um den mechanischen Riegel des Tresors zu öffnen.
Funktionsstruktur
Zusammenfassend ergibt sich folgende funktionale Kette für den erfolgreichen Spielablauf:
- Bereitstellung der Rätselaufgabe
- Einlesen des durch die Spieler veränderten Widerstandswertes
- Logische Bewertung des Signals
- Bei Erfolg: Auslösen der mechanischen Entriegelung und Anzeige des Codes
Technischer Systementwurf
Im technischen Systementwurf werden die Funktionen aus dem funktionalen Entwurf auf konkrete technische Komponenten und Technologien abgebildet. Er beantwortet die Frage, wie das System physisch und steuerungstechnisch aufgebaut ist, um die Anforderungen des Escape Games zu erfüllen.
Das mechatronische System des "Ohmschen Tresors" unterteilt sich in vier Hauptbereiche: Sensorik und Messwerterfassung, Verarbeitung, Aktorik und Ausgabe sowie Mechanik.
1. Sensorik und Messwerterfassung
Da ein Mikrocontroller keine elektrischen Widerstände, sondern nur Spannungen direkt messen kann, basiert die Messwerterfassung auf dem Prinzip des unbelasteten Spannungsteilers. Aus der konstanten 5V-Versorgungsspannung des Arduinos wird ein Stromkreis gebildet, der durch einen internen, fest verbauten Referenzwiderstand (R1 = 10 kΩ) und die von den Spielern gesteckten Rätsel-Widerstände (Rx) fließt.
Die über den Rätsel-Widerständen abfallende Spannung Uout wird am analogen Eingang A0 des Mikrocontrollers gemessen. Die Grundlage für die spätere Umrechnung in der Software bildet die Spannungsteiler-Formel:
Uout = Uin · (Rx / (R1 + Rx))
Zusätzlich zur analogen Messung dient ein robuster Drucktaster als digitale Eingabe. Über diesen können die Spieler nach dem Stecken der Schaltung aktiv den Prüfvorgang initiieren.
2. Verarbeitung
Als zentrale Steuereinheit dient ein Arduino Uno R3. Die Logik wird modellbasiert mittels MATLAB/Simulink umgesetzt. Der Arduino wandelt die gemessene analoge Spannung über seinen 10-Bit-ADC in einen digitalen Wert (0–1023) um. In Simulink wird dieser Rohwert in den tatsächlichen Widerstandswert (Rx) in Ohm umgerechnet.
Ein in Simulink modellierter Zustandsautomat übernimmt die Spielsteuerung: Das System wartet auf die steigende Flanke (Knopfdruck) des Tasters. Sobald der Taster betätigt wird, gleicht der Zustandsautomat den aktuell gemessenen Widerstandswert ab. Liegt dieser im definierten Toleranzbereich (± 1%) des Zielwertes, wechselt das System in den Erfolgszustand. Andernfalls wird ein Fehlerzustand ausgelöst.
3. Aktorik und Ausgabe
- Visuelles Feedback (Display & LEDs): Die Kommunikation der Aufgabe ("15 V / 5 mA") sowie die finale Code-Ausgabe erfolgen über ein 16x2 I2C-LCD-Modul. Ergänzend geben zwei Status-LEDs direktes Feedback nach dem Drücken des Tasters: Eine grüne LED leuchtet bei einer korrekten Schaltung auf (Erfolg), während eine rote LED signalisiert, dass der falsche Gesamtwiderstand gesteckt wurde (Misserfolg).
- Entriegelungsmechanismus: Erfüllt der gemessene Widerstand die Zielvorgabe, sendet das Simulink-Modell ein PWM-Signal an Pin 9. Dadurch wird ein Servomotor angesteuert, der als mechanischer Riegel fungiert und das Tresorfach um 90 Grad aufschwenkt.
4. Mechanik und Schnittstellen
Die Interaktion der Spieler mit der Elektronik wird über drei verdrahtete, robuste 4mm-Laborsteckbuchsen auf der Gehäuseoberseite realisiert. Da der Arduino nur den Gesamtwiderstand misst, werden diese drei Steckplätze intern verbunden. Die zu steckenden Bauteile bestehen aus 3D-gedruckten PLA-Gehäusen, die in der Projektwerkstatt der HSHL gefertigt werden. Im Inneren dieser "Bausteine" sind handelsübliche Kohleschichtwiderstände verbaut, die an 4mm-Bananenstecker angelötet sind.
Verdrahtungs- und Pinbelegungsplan
Die nachfolgende Tabelle dokumentiert die genaue Zuweisung der Hardware-Komponenten an die Anschlüsse des Arduino Uno.
| Komponente | Pin am Bauteil | Arduino Pin | Funktion |
|---|---|---|---|
| Referenzwiderstand R1 | Bein 1 | 5V | Spannungsversorgung Spannungsteiler |
| Referenzwiderstand R1 | Bein 2 | A0 | Messknotenpunkt |
| Widerstands-Kette (Anfang) | Buchse 1, Slot 1 | A0 | Messknotenpunkt |
| Widerstands-Kette (Ende) | Buchse 2, Slot 3 | GND | Rückführung zur Masse |
| Taster (Prüfvorgang) | Schließer-Kontakt | Pin 2 | Digitaler Eingang (Pull-up) als Trigger |
| Grüne LED (Erfolg) | Anode (+) | Pin 3 | Digitaler Ausgang (mit Vorwiderstand) |
| Rote LED (Misserfolg) | Anode (+) | Pin 4 | Digitaler Ausgang (mit Vorwiderstand) |
| I2C LCD-Display | VCC / GND | 5V / GND | Stromversorgung Display |
| I2C LCD-Display | SDA | A4 | I2C-Datenleitung |
| I2C LCD-Display | SCL | A5 | I2C-Taktleitung |
| Servomotor (Klappensteuerung) | Rot / Braun | 5V / GND | Stromversorgung Aktor |
| Servomotor (Klappensteuerung) | Orange (Signal) | Pin 9 | PWM-Signal |
- Sensorik/Messung: Die Messung des variablen Gesamtwiderstands erfolgt über einen Spannungsteiler, der an einen Analog-In-Pin (A0) angeschlossen ist. Der feste Referenzwiderstand befindet sich unsichtbar im Inneren der Box.
- Verarbeitung: Ein Arduino Uno dient als Mikrocontroller. Die Programmierung erfolgt modellbasiert in Matlab/Simulink.
- Aktorik: Ein Servomotor dient als mechanischer Riegel und wird über den Arduino angesteuert.
- Interaktion: Ein 16x2 I2C LCD-Modul wird über den I2C-Bus (SDA/SCL) angesteuert und führt die Spieler durch das Rätsel.
- Gehäuse & Mechanik: Das Gehäuse und die Widerstands-Bausteine werden mit dem 3D-Drucker gefertigt (Projektwerkstatt) und enthalten im Inneren handelsübliche Kohleschichtwiderstände. Die Steckverbindung wird über 4mm Bananenstecker realisiert.
Komponentenspezifikation
| ID | Anzahl | Kosten pro Stück € | Summe | Bezeichnung / Komponente | technische Bezeichnung | Beschreibung | Datenblatt | Abbildung |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | 1x | 23,70€ | 23,70€ | Mikrocontroller-Board | Arduino UNO R3 | Der Mircocontroller mit dem ATmega328P verfügt über 14 digitale I/O - Schnittstellen, sechs davon können als PWM Ausgang genutzt werden. Des weiteren sind sechs analoge Eingänge die die Verarbeitung analoger Signale vorhanden | Datenblatt Arduino Uno | |
| 2 | 1x | 5,50€ | 5,50€ | I2C LCD Display | LCD 1602 mit I2C Modul | 16 Zeichen, 2 Zeilen. Zur Anzeige der Rätsel-Aufgabe. Belegt nur 2 Pins (SDA/SCL). | ||
| 3 | 1x | 3,50€ | 3,50€ | Servomotor | Micro Servo SG90 | 9g Servo, Stellwinkel 180°. Öffnet den Verriegelungsmechanismus bei Erfolg. | ||
| 4 | 3x | 0,10€ | 0,30€ | Widerstände | Kohleschichtwiderstand | Verschiedene Werte (z.B. 1kΩ, 2.2kΩ, 10kΩ). Werden als reale Basis in die 3D-Druck-Gehäuse verbaut. | ||
| 5 | 8x | 1,00€ | 8,00€ | Bananenstecker/-buchsen | 4mm Laborstecker | Für eine robuste und einfach zu steckende elektrische Verbindung auf der Box. |
Umsetzung (HW/SW)
- Hardware: Der Spannungsteiler wird an Pin A0 angeschlossen. Das LCD-Display an A4 (SDA) und A5 (SCL). Der Servomotor an Pin 9 (PWM). (Schaltplan siehe SVN).
- Software: Im Simulink-Modell wird der Analogwert von A0 eingelesen. Über einen Gain-Block wird der ADC-Wert (0-1023) in einen echten Widerstandswert in Ohm umgerechnet. Eine Stateflow-Logik gleicht ab, ob der gemessene Wert für mindestens 3 Sekunden im Toleranzbereich (± 5%) des Zielwerts liegt. Ist dies der Fall, schaltet der PWM-Block für den Servo auf 90 Grad und das LCD-Display zeigt den Code an.
- Alle Skizzen, das finale Simulink-Modell (`.slx`) und die 3D-Druck-Dateien (`.stl`) der Widerstandsbausteine sind im SVN-Repository abgelegt.
Komponententest
Ergebnis
Zusammenfassung
Lessons Learned
Projektunterlagen
Projektplan
Projektdurchführung
Tipp 1
Tipp 2
Musterlösung
YouTube Video
Weblinks
Literatur
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